Eine Perspektive haben...
Vor einigen Monaten hat mich C. kontaktiert. Als Flüchtling mit einem Nichteintretensentscheid sah er weder in der Schweiz noch in einem anderen europäischen Land eine Zukunfts-
möglichkeit. Er bat mich, ihn auf die Rückkehrberatungsstelle zu begleiten. Da diese dem Migrationsamt unterstellt ist, sind Asylsuchende ihr gegenüber eher misstrauisch und vorsichtig.
C. hatte sehr wohl eine Idee als ihn die Beamtin auf eine Rückkehridee ansprach. Er suche einen Occasionstraktor, mit dem er seine Familie in Guinea unterstützen könne. Mitte Mai flog C. nach Hause. Der Traktor braucht mit dem Schiff etwas länger. Dank der Zusammenarbeit der verschiedenen Beteiligten kam dieses Projekt zustande. Wir alle hoffen, dass der Traktor eine gute Grundlage für die Zukunft ist.
Wer eine Perspektive sieht, geht eher zurück, wer keine Möglichkeiten hat, bleibt. Da nützen weder Zwangsmassnahmen noch menschenunwürdige Unterkünfte noch Schikanierungen verschiedenster Art. In Birr und Holderbank leben rund 70 Männer mit einem Nichteintretensentscheid (NEE). In Hausen wohnen Familien und allein stehende Frauen. Viele von ihnen leben seit dem 17. Dezember 2004 in den Notunterkünften mit minimalster Betreuung und mit Fr. 7.50 pro Tag pro erwachsene Person. Das muss für alles reichen.
Ohne Perspektiven versinken sie immer mehr in Lethargie, Mutlosigkeit, Verzweiflung, Wut. Und das kann es ja nicht sein.
10. Juni 2007
