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Viele positive Erlebnisse prägen meine Erfahrungen ...

Seit April 2004 bin ich in der Asylbewerberbetreuung in unserer Gemeinde engagiert. In vier zusammengebauten Containern leben bis zu 12 allein stehende Männer aus Afrika. Die meisten von ihnen haben einen ablehnenden Bescheid erhalten, im Moment dürfen nur drei im Rahmen eines Beschäftigungsprogramms arbeiten. Um den Alltag ein wenig aufzulockern und neben der Betreuung durch den KSD einen gemeindeeigenen Zugang zu den Asylbewerbern zu haben, bietet unsere Gemeinde Deutschunterricht an. Ich bin weder ausgebildete Deutschlehrerin und es wurde mir nur ein absolutes Anfängerbuch zur Verfügung gestellt. Der soziale Kontakt steht im Vordergrund dieser Deutschstunden. Im Laufe der Jahre habe ich verschiedene Unterrichtsmaterialien zusammengetragen, aus Brockenhäusern oder was die Männer aus verschiedenen Unterkünften selber mitgebracht haben.  Der Ansturm hält sich in Grenzen und weil die meisten Männern einen ablehnenden Bescheid erhalten haben, fehlt die Motivation. Ich probiere ihnen dann jeweils klar zu machen, dass es überall auf der Welt deutschsprachige Touristen geben wird und sie mit Deutschkenntnissen ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern können, egal wohin auf unserem Globus es sie zieht. Auf jeden Fall sind diese Deutschstunden eine Auflockerung für diejenigen die teilnehmen und für mich eine reiche Erfahrung. Ich habe sehr viel gelernt, wie ich mit Menschen aus anderen Kulturen umgehen kann, sodass es uns beiden wohl ist. Ich habe gemerkt, dass ein respektvoller Umgang miteinander möglich macht, dass man auch negative Entscheide kommunizieren kann, ohne den anderen zu verletzen. Und allen Widerwärtigkeiten zum Trotz können wir oft herzlich miteinander lachen, wird mir ein speziell guter Kaffee serviert und darf ich bei verschiedensten Speisen zugreifen und probieren.

 

Viele positive Erlebnisse prägen meine Erfahrungen, eines davon habe ich kürzlich erlebt:

 

Mit zwei jungen muslimischen Männern aus Somalia respektive Äthiopien habe ich vor Weihnachen im Rahmen des Unterrichts über unsere Bräuche geredet. Adventskranz, Samichlaus, Weihnachtsguetzli, Weihnachtsbaum und Krippe. Beim Bild der Krippe stand der Satz: „Die Eltern von Jesus heissen Maria und Josef“. Angeregte Diskussion der Männer in einer mir unverständlichen Sprache und dann die Frage, ob Maria denn Miriam heissen könnte. „Ja“, gab ich zur Antwort. Wieder angeregte Diskussion zwischen den beiden und dann: „Nun, dann verstehen wir eines nicht, wieso ich sage, dass Josef der Vater von Jesus ist, im Koran steht nichts von Josef und die Christen glauben doch daran, dass Gott der Vater von Jesus ist!“ Im ersten Moment war ich platt, dann habe ich gesagt, dass wir ebenfalls glauben, dass Gott für seinen Sohn eine richtige Familie auf der Erde wollte. Und das fanden die beiden dann vollkommen in Ordnung.  Die Männer leben ihren muslimischen Glauben, haben den Ramadan mitgemacht und das Plakat mit den Gebetszeiten hängt an der Türe. Wir können aber über unsere Religionen reden und den Weihnachtsbaum, der in der Unterkunft stand fanden sie ganz einfach schön.

 

Brigitte Fischer, Widen

15. Januar 2007

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