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Position:   Archiv  >>  Veranstaltungen  >>  Andere  >>  Eritrea Tagung 2007

Warum sie kommen – wie sie bleiben

Gemütliches Beisammensein

Das Netzwerk Asyl Aargau orientierte über Eritrea und die Fluchtgründe

 

Gegen zweihundert der Asylsuchenden, die heute im Aargau sind, stammen aus Eritrea. Die 1991 erlangte Unabhängigkeit von Äthiopien hat leider nicht zu einer Verbesserung der Lebenssituation der Bevölkerung geführt. Die von vielen gefeierte frühere Volksbefreiungsfront ist in den letzten Jahren in ihr Gegenteil verkehrt und fürchtet Aufstände, weshalb Männer und auch Frauen durch überlange Militär- und Zivildienstzeiten in ihrer Entfaltung hindert.

An der Tagung vom 8. September 2007 in Buchs machte ein Bericht der Schweizerischen Flüchtlingshilfe (SFH) die Fluchtgründe verständlich. Der Staatspräsident sucht alle Fäden der Regierung in seiner Hand zu behalten. So gibt es weder Demokratie noch Gewaltentrennung. Die Wirtschaft liegt darnieder, weil initiative Leute Freiheit brauchen. Was während eines Befreiungskampfes berechtigt und kurzfristig erfolgreich ist, kann nicht so in einen geordneten Staat übernommen werden.

Das Schweizerische Unterstützungskomitee für Eritrea SUKE leistet seit den Siebziger Jahren in Eritrea wertvolle humanitäre Hilfe. Sein Präsident Dr. Toni Locher zeigte auch mit Bildern, wie konkret geholfen wird. Die medizinische Hilfe, die Förderung der Kampagne gegen die Mädchenbeschneidung, die Verbesserung der Wasserversorgung sind in der Tat erfreulich. War es Zufall, dass deutlich mehr Frauen als Männer zu sehen waren, weil die Einrichtungen des Staates soviele Männer verschluckt? Und die Frauen dafür einen Esel bekommen, der ihnen Transporte erleichtert?

Ein Eritreer, welcher auch auf ausgehängten Bildern die Dramatik der Fluchtwege zeigte, betonte, dass sie, die sie bei uns um Asyl nachsuchen, in ihrer Heimat sich eingesetzt haben für den Aufbau. Doch gebe es keine Freiheit, auch keine Religionsfreiheit, die Presse werde zensuriert, manche werden verfolgt, sodass sie ihr geliebtes Land verlassen mussten. „Auf der Flucht waren wir nirgends willkommen und manchenorts Gewalt ausgesetzt. Die Überfahrt nach Europa auf völlig überladenen Booten, bei der viele ihr Leben verloren, gab uns den Rest. Nun werden unsere Eltern und weitere Angehörige von der Regierung unter Druck gesetzt, dass sie uns wieder zurückschaffen.“

Zehn Franken erhalten die Asylsuchenden im Aargau pro Tag für ihren Lebensunterhalt, dazu Unterkunft und einige Kleider. Sie sind gegen Unfall und Krankheit minimal versichert. Dies erläuterte notgedrungen die Präsidentin des Netzwerks Asyl Aargau, Patrizia Bertschi, nachdem der Kantonale Sozialdienst, der die Asylsuchenden betreut, sich selber nicht äussern wollte. Asylsuchende, die nicht abgewiesen werden, erhalten als vorläufig aufgenommene den Ausweis „F“ oder als anerkannte Flüchtlinge „B“. Letzteren ist es erlaubt, ihre Familie nachzuziehen. Sie müssen eine Wohnung suchen (max. Fr. 750.- monatlich), und erhalten von der Wohngemeinde Fr. 1040.- für den Lebensunterhalt sowie die Krankenkasse bezahlt. Dazu einmalig max. Fr. 3200.- für Mobiliar und Fr. 3400.- für Deutschkurse. Alle Beträge gelten als Darlehen und müssen später zurückbezahlt werden.

Ein junger Eritreer sagte darauf: „Wir suchen Frieden, Sicherheit und Bildung. Wir wollen nicht zur Last fallen. Wir sind nicht kriminell, wir wollen arbeiten. ... Was sollen wir tun? Wir haben viele Probleme, die Polizei tut gewiss ihre Pflicht, aber immer wieder als Drogendealer verdächtigt zu werden tut weh.“ Toni Locher rät ihnen, Sport zu treiben und sich einem Verein anzuschliessen, um aufatmen zu können.

Eritreerinnen und Eritreer offerierten anschliessend Ingera, ihre Nationalspeise. Beim Klang der „Kirar“, einem Saiteninstrument, wurden Tische beiseitegeschoben zum Volkstanz. Die Freude der vielen anwesenden Flüchtlinge war ihnen zu gönnen.

 

Max Heimgartner

12. September 2007

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